Die folgenden beiden Tabellen führen die Gegenüberstellung im Einzelnen aus. Bewertet werden 19 Aspekte von Politik und Wirtschaft, jeweils mit den Stärken und den Schwächen des betreffenden Systems.

Tab. 1: Stärken (Vorteile) und Schwächen (Nachteile) der DDR
Stärken und Schwächen der DDR
DDRStärken / VorteileSchwächen / Nachteile
Boden- und GrundbesitzVolkseigentum an Grund und Boden verhinderte Spekulationsgeschäfte, wenige Zugangsbeschränkungen (z.B. an Uferbereichen von Gewässern)Fehlende persönliche Beziehung führte in vielen Fällen zu einem nachlässigen Umgang mit Grund und Boden (z.B. bei Abfalldeponien oder in der Landwirtschaft)
Häuser und WohnungenMieten sehr billig, Immobilienpreise durch staatliche Vorgaben niedriggehalten, keine GrundstücksspekulationVerfall von Mietshäusern in Innenstädten, Neubauten an den Stadträndern stereotyp, Privatbesitz von Eigenheimen unerwünscht, Erwerb von Immobilien durch „Otto-Normalverbraucher“ nahezu unmöglich
Straßenkeine MautgebührenKatastrophaler Zustand der Straßen und Autobahnen
ÖPNVDeutsche Reichsbahn fuhr noch auf vielen heute stillgelegten NebenstreckenVeralteter Zug- und Wagenpark, hoher Nachholbedarf bei der Instandhaltung der Gleistechnik, verfallende Bahnhöfe
IndustrieVolkseigentum an allen größeren Betrieben unterbindet Wirtschaftsvergehen, vergleichsweise milder Leistungsdruck (sozialistischer Wettbewerb)Zentralgesteuerte Planwirtschaft verhinderte schnelle Reaktion auf neue Bedürfnisse des Marktes und unterdrückte die Eigeninitiative, oft unterblieben erforderliche Investitionen, dadurch zunehmend maroder Kapitalstock
Handwerk und GewerbeHandwerker wie Elektriker oder Klempner arbeiteten in Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH), Gärtner in Gärtnerischen Produktionsgenossenschaften (GPG) zusammenKeine Gewerbefreiheit, Handwerkerleistungen Mangelware
LandwirtschaftBauern arbeiteten in den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammen, die von Agrochemischen Zentren (ACZ) und Kreisbetrieben für Landtechnik (vormals Maschinen-Traktoren-Stationen, MTS) unterstützt wurdenIndustriemäßige Tier- und Pflanzenproduktion (Großflächenbearbeitung / riesige Tierställe) mit erheblichen Umweltbelastungen (Überdüngung und Pestizid-/Herbizideinsatz), Angebotslücken bei landwirtschaftlichen Produkten, z.B. Obst und Gemüse
EnergieNiedrige EnergiepreiseBraunkohle ist wichtigster Energieträger, störanfällige Elektroenergie- und Gasversorgungsnetze
Bildung und ErziehungKinderkrippen- und Kindergartenplätze in hoher Zahl vorhanden, billige Kita-Gebühren, keine Schulgebühren, keine Studiengebühren an Hochschulen und Universitäten
GesundheitswesenUngehinderter Zugang zu Gesundheitsvorsorge und Krankenbehandlung für alle DDR-BürgerWestliche Arzneimittel und Medizintechnik nur in Ausnahmefällen verfügbar
Umweltgeringe Zersiedlung der LandschaftSehr hohe Belastung der Grund- und Oberflächengewässer, regional sehr hohe Luftverschmutzung, sämtliche Arten von Abfällen durften deponiert werden, Deponien auch für Abfälle aus dem „Westen“ geöffnet, Geheimhaltung der Umweltdaten
WasserwirtschaftNiedrige Wassergebühren, Trinkwasserversorgung der Bevölkerung hat PrioritätUnzureichende Instandhaltung der Trinkwasserversorgungsnetze, dadurch hohe Netzverluste, hoher Fehlbedarf an Kläranlagen
Banken und BörseBanken befinden sich in der Hand des Staates, dadurch keine riskanten Bankgeschäftefehlender Zugang zum internationalen Kapitalmarkt, „weiche“ Währung, Devisenknappheit
KulturViele Kulturveranstaltungen auch in der „Provinz“, Tickets für Kulturveranstaltungen sehr billig, angebotene Inhalte orientieren sich nicht nur am Zeitgeschmack, sondern verfolgen teilweise auch erzieherische AspekteAbschottung vom Kulturbetrieb im „Westen“
LebensmittelLebensmittel des täglichen Bedarfs sehr billigAngebotspalette insgesamt sehr dürftig (es fehlte z.B. an Südfrüchten, Gemüse, Fisch und höherwertigen Käsesorten sowie Fleisch- und Wurstwaren)
KleidungBaby- und Kindersachen sehr billigModisch nicht immer auf dem neuesten Stand, eingeschränkte Angebotspalette
Konsum- und HaushaltstechnikLange LebensdauerÜberteuert, weil technische Konsumgüter i.d.R. als Luxusgüter galten, schmale Angebotspalette (kaum Konkurrenzprodukte), oft auch technisch veraltet, Wartezeiten für einige Produkte (z.B. Farbfernseher)
AutosÜberteuert, weil Autos als Luxusgüter galten, lange Wartezeiten (10 Jahre und mehr), wenige Marken, technisch veraltet
Reisen, Sport und FreizeitUmfangreiches Angebot für Freizeitsportler, geringe KostenStark eingeschränkte Reisemöglichkeiten, Doping im Hochleistungssport, eingeschränktes Angebot für Sport- und Freizeitbeschäftigungen mit hohen Ansprüchen an die Ausstattung (z.B. Segeln)
Tab. 2: Stärken (Vorteile) und Schwächen (Nachteile) der BRD
Stärken und Schwächen der BRD
BRDStärken / VorteileSchwächen / Nachteile
Boden- und GrundbesitzPrivatgrundstücke und Grundstücke im Besitz von Unternehmen i.a.R. gut gepflegtHohe Immobilienpreise, Grundstücksspekulation, abgesperrte Privatgelände (z.B. Uferbereiche von Gewässern)
Häuser und WohnungenTop-Instandhaltungszustand fast aller Immobilien, Erwerb von Immobilien für jedermann möglichHohe Mieten
StraßenDichtes und weitestgehend intaktes Netz von Straßen und AutobahnenMautgebühren
ÖPNVWeitestgehend moderner Zug- und WagenparkViele Nebenstrecken aus Rentabilitätsgründen stillgelegt, hoher Nachholbedarf bei der Instandhaltung der Gleistechnik und Bahnhöfe, Defizite bei Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit („Nachwehen“ des versuchten Börsengangs der Deutschen Bahn)
IndustriePrivatunternehmerische Entscheidungen erlauben schnelle Reaktion auf neue Bedürfnisse des Marktes und sichern F&E sowie erforderliche Investitionen in neue Technik, dadurch ständig modern gehaltener KapitalstockKonkurrenz auf den Märkten erzeugt massiven Leistungsdruck, Wirtschaftsvergehen sind lohnend und treten daher immer wieder auf
Handwerk und GewerbeHandwerkerleistungen jederzeit verfügbar, Gewerbefreiheit, dadurch auch schnelle Reaktion auf neue MarktsituationenHandwerkerleistungen teuer
LandwirtschaftGroße Palette landwirtschaftlicher Produkte (z.B. Obst, Kartoffeln, Gemüse, Wein), Einsatz neuester Landtechnik (z.B. John Deere)Wirtschaftliche Zwänge führen zu immer größeren Einheiten der Bauernhöfe (kleine Höfe werden aufgegeben), Umweltbelastungen infolge Überdüngung und Pestizid-/Herbizideinsatz
EnergieEnergieversorgung beruht auf einem ständig steigenden Anteil erneuerbarer EnergienExtrem hohe Energiepreise (im internationalen Vergleich) aufgrund der Stilllegung deutscher Kernkraftwerke sowie aufgrund des Verzichts auf Erdgas und -öl aus Russland infolge der Sanktionen
Bildung und ErziehungHohe Kita-Gebühren, Privatschulen mit hohen Schulgebühren, Zugang zu Hochschulen und Universitäten erfordert Finanzkraft, Fehlbedarf bei Kinderkrippen- und Kindergartenplätzen
GesundheitswesenNeueste Arzneimittel und modernste Medizintechnik verfügbarHohe Krankenkassengebühren, besonders für chronisch Kranke
UmweltGeringe Belastung der Oberflächengewässer, geringe Luftverschmutzung, Deponien nur für inerte Abfälle zugelassen
WasserwirtschaftTrink- und Abwassernetze weitestgehend intakt, ausreichend Kläranlagen mit sehr guten Eliminierungsleistungen vorhandenHohe Gebühren für Trink- und Abwasser
Banken und BörseZugang zum internationalen Kapitalmarkt, „harte“ WährungBanken in Privatbesitz, Spekulation und andere riskante Bankgeschäfte sind üblich, Bankenpleiten möglich
KulturKulturbetrieb konzentriert sich in Zentren wie München, Berlin oder Hamburg, wenige Kulturveranstaltungen in der „Provinz“, Tickets für Kulturveranstaltungen sehr teuer, angebotene Inhalte orientieren sich am Zeitgeschmack (z.B. Einschaltquoten im Fernsehen), dadurch viel „trash“
LebensmittelRiesige Angebotspalette (incl. Südfrüchte, Gemüse, Fisch und höherwertige Käsesorten sowie Fleisch- und Wurstwaren, Wein)
KleidungGroße Angebotspalette, modisch aktuell, z.T. erstaunlich billigMarkenware teuer, No-Name-Artikel oft von minderwertiger Qualität und geringer Haltbarkeit
Konsum- und HaushaltstechnikRiesige Angebotspalette (zahlreiche Konkurrenzprodukte), preiswert, technisch auf dem neuesten StandTeilweise geringe Lebensdauer („Wegwerfprodukte“), unnötige Funktionalitäten („Werbegimmicks“)
AutosRiesige Angebotspalette, praktisch keine Wartezeiten„Overengineering“ bei einigen Herstellern und Modellen
Reisen, Sport und FreizeitUnbeschränkte Reisemöglichkeiten (nur abhängig vom Geldbeutel), breites Angebot für Sport- und FreizeitbeschäftigungenRelativ hohe Beiträge der Sportverbände, insbesondere bei solchen mit hohen Ansprüchen an die Ausstattung (z.B. Segeln, Golfspiel, Reiten), Doping

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